Getanzt, gestanzt – gewonnen

DNN / 29. Oktober 2007 / Bistra Klunker

shot AG präsentierte die neue Produktion atomENGEL im Kleinen Haus

Mit einem Partner wie dem neubau-Projekt des Staatsschauspiels Dresden an ihrer Seite konnten die Tänzer von shot AG ihre neue Produktion atomENGEL im Kleinen Haus zur Uraufführung bringen. Und der Publikumszuspruch am ersten Aufführungsabend war gut. Die Choreografinnen und Tänzerinnen Nora Schott und Ariane Thalheim haben sich mit ihrer 2002 gegründeten Company wirklich einen Namen gemacht. Ihre Kreativität und Beharrlichkeit wurden in diesem Frühjahr mit dem Förderpreis der Landeshauptstadt Dresden gekrönt – sie sind eine bemerkenswerte frische Farbe in der freien Kulturszene Dresdens.

Dass sich shot AG mit jeder neuen Arbeit entwickelt, dazulernt und einen eigenwilligen Stil prägt, war bisher immer wieder zu beobachten. Dennoch erstaunt die neue Produktion. Abgesehen von etwas übertriebener Symbolik (am Ende), bekommt man eine dichte, konsequente Bewegungsstudie zu sehen, in der auch mal ein poetischer Hauch die vorwiegend automatisiert wirkenden Vorgänge streicht.

Eine Bewegungsstudie wovon? Vom Kreatürlichen, vom Alltagstrott, vom Beziehungsstress, vom Drang, Hindernisse zu überwinden, vom Zwang, im Gleichschritt zu stampfen, um nicht aufzufallen, nicht zu versagen. Sicherlich lassen sich zig andere Assoziationen formulieren – je nach eigenem Blickwinkel. Der beunruhigende, bedrückende Gestus der Produktion ist von den Choreografinnen Nora Schott und Ariane Thalheim bestimmt auch so gewollt. Schließlich suggeriert der Name atomENGEL Verderben und Unschuld, Materie und Glauben. Das gedämpfte Licht und transparente „Käfige“ mit Lichtstab (Bühne und Kostüme: Petra Schlüter-Wilke) unterstützen den Eindruck von einer Welt, reduziert aufs Existenzielle. Die Musik von Johannes Beere wirkt etwas „kratzig“. Sie kommt an Tonlagen ran, die nach Kopfschmerztablette schreien, passt aber letztendlich gut zur rauen Oberfläche des Choreografie-Stils.

Bemerkenswert ist nicht zuletzt die Ausdauer, diese Leichtigkeit schwerer körperlicher Anstrengung, mit der die vier Tänzer eine Stunde lang an einem Strang ziehen: Maasa Sakano, Anne Schauer, Ariane Thalheim und Dennis Dietrich. Und jeder von ihnen ist wie ein Puzzleteilchen mit eigener Farbe und Konturen. Auch an Bildintensität hat der Stil von shot AG gewonnen. Die Käfer-Bewegungen am Anfang haben eine besondere Faszination. Und aus der Konsequenz, die letzten 20 Minuten mit den Füßen zu stampfen und dabei tänzerisch zu gestalten, erwächst eine starke Ausstrahlung. Als würden hier Fragen, Ausrufe, Gedanken in die Luft gestanzt. Diese Wirkung ist so stark, dass sie keine Ergänzung durch Requisiten braucht – zumal blutrote Stoffe und weiße Stoffschläuche keine neuen Mittel sind.

Eine reife, eine sehenswerte Produktion.

Bistra Klunker

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  1. By atomENGEL – shotAG on %A, 06UTCSun, 06 Mar 2011 18:58:43 +0000 %e. %B %Y at %H:%M

    [...] Rezensionen: Zwingende Dynamik (SZ, Gabriele Gorgas) Getanzt, getanzt – gewonnen (DNN, Bistra Klunker) ballettanz – europe´s leading dance magazin (Hartmut Regitz) [...]

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