Rezension shoot! POAROID shoot! in Leipziger Volkszeitung, 24.09.2007

In die Disco begibt sich auch die Dresdner shot AG am Samstagabend. Das Publikum hockt auf fast ebenerdigen Sitzinseln an den Rändern der Tanzfläche. Die Clubatmosphäre mit Leinwand, zwei Electro-Beat hämmernden DJ-Pulten und ein niedriges Podest in dunkler Nische spannen die Erwartungen auf den Live Act “shoot! POLAROID shoot!” aufs Äußerste. Doch dann führt die mit Stiefeln und Kamera bewehrte Tänzerin “nur” wie eine Aufziehpuppe die Kluft zwischen dem aggressiv treibenden Rhythmus und dem zärtlich-apathischen Jungfrauengesang vor: “Du musst dir keine Sorgen machen, ich will allein dich nur lieben.” Anders als bei Mouvoir entblößt sich die Tänzerin hier weder, noch gibt sie sich eine Blöße. Die Figur als fragile Persönlichkeit bleibt nur erahnt. So impulsiv und kraftvoll die wie maschinell ablaufenden Bewegungen auch hervorbrechen, so zurückgehalten werden sie in die nächste Wendung geführt. Auch dann, wenn die Körpersprache ein organisches Fließen vorgibt, dringt nie spontanes Gefü
hl nach außen. Je öfter Ariane Thalheim sich mit der Polaroid ablichtet, desto unmöglicher wird der Zugriff auf Motive: “I shoot the moment-kill the movement”. Das ist trivial. Aber Thalheim tanzt diese abgrundtief nüchterne Choreographie von Nora Schott mit so viel beherrschter Einsamkeit, dass man der Paralyse aus Formerwartung und Tanzenwollen auch gerne länger als 30 Minuten zusähe.

von Stefanie Möller
Links: shoot! POLAROID shoot!

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